| 27. Februar 2010: Mittelstufenschule nur ein Provisorium |
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Landesregierung tastet geächteten Hauptschulzweig nicht an - Kein Konzept für Berufsorientierung 27.02.2010 Mittelstufenschule nur ein Provisorium Landesregierung tastet geächteten Hauptschulzweig nicht an - Kein Konzept bei Berufsorientierung Ministerpräsident Roland Koch (CDU) und Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) haben am 26. Februar 2010 die neue „Mittelstufenschule“ vorgestellt. Dabei sollen die Haupt- und Realschule bis zur siebten Klasse zusammengelegt werden, um sich anschließend in einen berufsorientierten Hauptschul- und einen Realschulzweig zu teilen. Die jeweiligen Abschlüsse bleiben bestehen. Die Landesschülervertretung (LSV) Hessen ist über den Entwurf enttäuscht. „Die hessische Landesregierung hat den Ernst der Lage noch nicht erkannt und versucht, handfesten Problemen mit butterweichen Lösungen entgegen zu wirken“, sagt der hessische Landesschulsprecher Tim Huß. „Das neue Schulkonzept ist unkreativ und blutleer. Die Mittelstufenschule dient als Stützpfeiler der wackelnden Hauptschule. Dieses Konstrukt wird bald wieder zusammenbrechen, weil die mangelnde gesellschaftliche Akzeptanz der Hauptschule stärker ist als das Provisorium der Landesregierung. Herr Koch und Frau Henzler haben das ‚Nein’ der Schüler und Eltern zur Hauptschule nicht gehört.“ Nach neuen Angaben des Kultusministeriums wählen nur noch drei Prozent der Viertklässler die Hauptschule als Eingangsstufe. Positiv hat die LSV die Abstufung der Dreigliedrigkeit zur Zweigliedrigkeit in den Jahrgangsstufen fünf bis sieben zur Kenntnis genommen. Huß fordert erneut die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems und gemeinsames Lernen in Unter- und Mittelstufe bis zur zehnten Klasse. „Es freut uns, dass zumindest Haupt- und Realschüler die Chance des längeren gemeinsamen Lernens wahrnehmen dürfen“, so Huß. „Dem Kernproblem hat sich die Ministerin und der Regierungschef allerdings nicht gewidmet. Kinder kann man nicht vor der Pubertät in berufsbildende und allgemein bildende Schulformen einteilen. Die Selektion ist und bleibt verfrüht.“ Die Berufsschulen sollen bei der Berufsorientierung eine neue entscheidende Rolle spielen. Sie können allerdings nicht die Probleme in den allgemein bildenden Schulen lösen und für sie ein Beratungsangebot schaffen, das der Berufsorientierung dient. Dem steht ein in Aussicht gestelltes Lehrerkontingent von nur 355 Lehrerinnen und Lehrern bis 2019 gegenüber. „Die Lehrerkapazität an Berufsschulen ist bereits jetzt schon unzureichend“, kritisiert LSV-Ausbildungsreferent Martin Hagel. „Die Berufsorientierung im Realschulzweig bleibt ein Stiefkind“, fährt Hagel fort. „Zwar ist eine Berufsorientierung angedacht, diese soll sich jedoch stark von der Hauptschule unterscheiden und hat keine genauen Konzepte. Dieses Schulsystem wird das erste sein, dessen Berufsorientierung man auf eine berufliche Ausbildung anrechnen kann. Die fehlenden Lehrinhalte werden die Betriebe schmerzlich zu spüren bekommen. Die Qualität der Berufsausbildung ist damit wieder gesunken. Diese künstliche Lehrzeitverkürzung wird den Mangel an Fachkräften in keiner Weise auffangen können.“ Hagel fordert die Landesregierung zudem auf, die Berufsausbildung attraktiver zu machen: „Eine Berufsorientierung macht nur dann Sinn, wenn auch ein qualitativ hochwertiges Ausbildungsplatzangebot vorhanden ist.“ „Wir bieten nochmals unsere aktive Mitarbeit bei der Umsetzung des neuen Schulkonzeptes an“, sagt Landesschulsprecher Tim Huß. „Die Idee der Mittelstufenschule ist allerdings nicht auf die Einzigartigkeit jedes einzelnen Schülers abgestimmt. Hier muss die Landesregierung Mut zur Veränderung beweißen und sich von der frühen Selektion schleunigst verabschieden.“ |