24. August 2009: Landesregierung knickt bei Lehrerversorgung ein

Schüler loben die Schaffung neuer Stellen - mehr sollen es aber dann doch nicht werden


24. August 2009

Landesregierung knickt bei Lehrerversorgung ein


Schüler loben die Schaffung neuer Stellen – mehr sollen es aber dann doch nicht werden

Bei einer Pressekonferenz des Kultusministeriums im Hessischen Landtag am 20. August 2009 hat Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) neue Schülerzahlen und Lehrerdaten veröffentlicht. 1.000 neue Lehrstellen wurden geschaffen, der Lehrermangel bei unattraktiven Fächern nicht bewältigt und ein Zehn-Prozent-Erlass eingeführt.

„Wir loben ausdrücklich die Einstellung von 1.000 neuen Lehrkräften“, sagte die Landesschulsprecherin Fiona Merfert. „Anders als Karin Wolff schwelgt Dorothea Henzler nicht in einem Großprojektwahn, sondern verfolgt das simple Ziel kleinerer Klassen“. Auch die Quote der Unterrichtsversorgung (99,6 %) bewertet die Landesschülervertretung Hessen positiv. „Wenn Frau Henzler ihre Hausaufgaben fertig macht, sind wir zufrieden“, so Merfert.

Für heftige Kritik sorgte Henzler mit der Äußerung, das Ziel der 100%-igen Lehrerversorgung sei fast erreicht. Im Wahlkampf hat sie noch eine 105%-ige Lehrerversorgung versprochen. „Die Ministerin bleibt auf dem Weg zur 105%-igen Lehrerversorgung plötzlich stehen. Sie knickt nun vor dieser notwendigen Messlatte ein“, kritisiert Merfert und warnt: „Die Ministerin darf kein Kapitel abschließen, das noch lange nicht fertig geschrieben ist!“.

Der Lehrermangel in unattraktiven Fächern ist nach Angaben der Landesregierung nicht bewältigt. „Das ist nicht verwunderlich“, sagte der stellvertretende Landesschulsprecher Tim Huß. „Wer im Interesse der Wirtschaft die Oberstufe auf Naturwissenschaften zentralisiert, darf sich nicht wundern, wenn letztlich das Lehrerangebot geringer ist als die Nachfrage“.

Den Zehn-Prozent-Erlass hat die Landesschülervertretung mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis genommen. Kann eine Schule nicht alle Stellen besetzen, darf sie über 10 % der frei gewordenen Gelder in Eigenverantwortung verfügen. „Wir hätten uns gewünscht, die zusätzlichen Gelder wären an die Bedingung gekoppelt, Personalprobleme zu lösen“, sagte Huß. „Hoffentlich fließen die Finanzmittel dann auch in die Lehrerversorgung“. Grundsätzlich lobt die hessische Schülervertretung aber die Förderung der Eigenständigkeit von Schulen.

Die Landesschülervertretung zieht eine eher positive Bilanz der Arbeit der Ministerin. Dennoch: „Nach Frau Henzlers Aussage ist ein im Nachhinein tiefer gestecktes Ziel fast erreicht. Das Ziel der 105%-igen Lehrerversorgung ist aber nicht tiefer zustecken. Sie muss sich von ihrer Aussage eindeutig distanzieren“, sagte Merfert. „Schüler brauchen ausreichend Lehrer zum Lernen!“